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Handlese Antike – Die Anfänge der Handanalyse

In den frühen Hochkulturen des Vorderen und Mittleren Orients sowie in Indien und China entstanden die ersten Ansätze der Handlesekunst, die sowohl für Charakteranalyse als auch für medizinische und spirituelle Zwecke genutzt wurden.

Antike Meister – Ursprung der Handlesekunst

Die Kunst beziehungsweise die Wissenschaft des Handlesens ist wohl so alt wie die zivilisierte Menschheit. Es wird vermutet, dass sie bereits in den frühesten bekannten Hochkulturen des vorderen und mittleren Orients ausgiebig gepflegt wurde, etwa bei den alten Ägyptern, Chaldäern, Sumerern und Arabern. Aus jener Zeit sind jedoch keine entsprechenden schriftlichen Abhandlungen erhalten geblieben. Gleichwohl finden sich zahlreiche Bezüge auf das Handlesen in religiösen Texten verschiedenster Epochen sowie in der Poesie, in Biographien und in geschichtlichen Aufzeichnungen.

Weiter im Osten hingegen, in den uralten Veda-Schriften Indiens, wird die Handlesekunst in den überlieferten Aufzeichnungen durchaus erwähnt und beschrieben. Sie bildet dort, zusammen mit der Astrologie, eine fundamentale Wissenschaft zur Analyse des menschlichen Daseins und des Schicksals auf der Erde. Gleichzeitig wird an mehreren Stellen davor gewarnt, dieses Wissen in unverantwortlicher Weise zur bloßen Wahrsagerei oder spekulativen Zukunftsdeutung zu missbrauchen.

Auch in der Tradition des alten China finden sich deutliche Hinweise auf die Handlesekunst, die dort einen wichtigen Bestandteil des medizinischen Studiums der Physiognomie darstellte. Dieses Wissen wurde nicht nur zur Charakteranalyse oder zur Heilung von Krankheiten verwendet, sondern auch, um Vorhersagen über bevorstehendes Glück oder Unglück eines Menschen zu treffen.

Je nach herrschendem Weltbild und kulturell‑religiöser Ausrichtung wurde das Handlesen in der Antike entweder als Geheimwissenschaft und esoterische Weisheitslehre, als Wahrsagerei und Prognostik oder als Mittel zum besseren Verständnis der Anlagen und Charaktereigenschaften eines Menschen verstanden. Man erkannte, dass die Hände eines Menschen – neben seinem Gesicht – den individuellsten Teil des Körpers darstellen und dass sich aus der Beschaffenheit ihrer verschiedenen Aspekte sinnvolle Rückschlüsse auf Wesen und Werdegang ziehen lassen.

Im antiken Europa war die Wissenschaft des Handlesens ebenfalls bekannt und seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. in Griechenland verbreitet. Die Philosophen des antiken Griechenlands pflegten nachweislich einen regen Austausch mit Indien, sowohl direkt als auch vermittelt über Araber und Perser, und bezogen viele ihrer Ansichten und Lehren von dort. Wenngleich auch hier bedauerlicherweise keine konkreten schriftlichen Abhandlungen über das Handlesen erhalten geblieben sind, kann man davon ausgehen, dass Gelehrte wie Homer, Anaxagoras, Hippokrates, Platon oder Aristoteles mit der Handlesekunst vertraut waren und sich ihrer bedienten. Nach der aktuellen Faktenlage ist jedoch nicht belegbar, dass sie selbst praktizierende Handleser oder Handanalytiker waren. Dasselbe gilt auch für römische Philosophen und Forscher.

Bettina Johanna

Die Hinweise im alten Testament

Im Alten Testament finden sich vereinzelte Hinweise darauf, dass das Handlesen in biblischen Zeiten eine gängige jüdische Praxis der Weissagung oder der Erkenntnis des Menschen darstellte. So heißt es etwa: «Es sei dir ein Zeichen an der Hand und ein Erinnerungsmal an der Stirn, damit das Gesetz des Herrn in deinem Mund sei.» (Exodus 13,9). Oder: «(Gott) versiegelt die Hand aller Menschen, sodass alle Welt sein Tun erkennt.» (Hiob 37,7). Eine andere, in Fachkreisen diskutierte Übersetzung dieser Stelle lautet: «(Gott beziehungsweise Gottes Macht und Gottes Plan) verbirgt sich in der Hand eines jeden Menschen, auf dass alle Welt darin sein Tun erkenne.»

Der Kontext des 37. Kapitels im Buch Hiob ist die Beschreibung der göttlichen Macht, die sich überall in der Natur manifestiert – auch im Menschen, insbesondere in seinen Händen. Wie bei nahezu allen Bibelstellen hängt die jeweilige Interpretation jedoch stark vom Welt‑ und Gottesbild des Auslegenden sowie von den Zielen seiner Deutung ab.Weniger umstritten ist die Annahme, dass das Handlesen auch in der altjüdischen Merkaba‑Mystik bekannt war, ähnlich wie in der Gnosis und im Neuplatonismus. Aus dieser mystischen Strömung entwickelte sich später die Kabbala‑Tradition, in der das Wissen um die Handlesekunst nachweislich weitergetragen wurde.

Eine historische Tatsache ist, dass das Wissen um die Handlesekunst in den ersten Jahrhunderten nach Christus – vor allem aufgrund der Verfolgung durch die kirchliche Inquisition – weitgehend verloren ging, da alles «Heidnische» und «Ketzerische» in Verruf geriet. Während des gesamten Mittelalters wurde das Handlesen dennoch im Geheimen weiter gepflegt und überliefert, und die entsprechenden Erkenntnisse wurden immer wieder neu abgeschrieben. Dies hatte allerdings zur Folge, dass dieses Wissen im Laufe der Jahrhunderte zunehmend fragmentiert und in einer immer unvollständigeren sowie teilweise auch unzuverlässigen Form erhalten blieb.

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